Eine Transfermethode, um neue Erkenntnisse in praktisches Handeln umzusetzen

Am Ende von guten Veranstaltungen haben die Teilnehmenden Erkenntnisse, Anregungen und Motivation gewonnen. Das alles muss jetzt nur noch in die Praxis mitgenommen werden. Aber dieser Transfer ist im Alltag alles andere als einfach. Die Methode „Mein guter Vorsatz“ kann dabei helfen. Außerdem ist sie sehr gut als Abschlussrunde für Fazite geeignet und kann zum Community Building beitragen. Hier kommt eine Anleitung zusammen mit einigen Praxistipps.

Gute Vorsätze | Jula Henke für J&K – Jöran und Konsorten, CC BY 4.0

Den Schwung von Veranstaltungen mit in die Praxis nehmen

Bei gelingenden Veranstaltungen wie Kongressen, Barcamps oder Workshops gibt es am Ende so etwas wie Aufbruchstimmung. Die Teilnehmenden haben Erkenntnisse und Konzepte, Ideen und Anregungen, Motivation und Schwung bekommen und wollen das jetzt mit in ihre Praxis nehmen. Doch vor der Umsetzung stehen im Alltag eine Menge Hürden und Ablenkungen. Irgendwas ist immer dringender. Und so landen gute Vorsätze oft auf einem „Das-muss-ich-in-Ruhe-machen-wenn-ich-mal-Zeit-habe“-Stapel – und sind damit schon so gut wie verschollen.

Die „Mein guter Vorsatz“-Methode kann die Hürden für den Transfer senken. Dafür wird ein konkretes Vorhaben schon während der Veranstaltung festgehalten, mit einem Termin versehen und in das eigene ToDo-Management integriert. Darüber hinaus kann ein Weg vereinbart werden, mit dem die Ergebnisse mit der Gruppe geteilt werden.

Die konkrete Umsetzung der Methode

So wird „Mein guter Vorsatz“ in die Veranstaltung eingebunden:

  • Im Programm ist der erste Schritt explizit in den Abschluss der Veranstaltung eingebaut, also noch vor Ort und mit eigenem Zeitbudget, beispielsweise 10 Minuten. Besonders geeignet ist eine Plenumsphase, zu der alle zusammenkommen und die mit einem Fazit verbunden ist.
  • Das Verfahren lässt sich besonders gut mit einer Abschlussrunde verbinden. Je nach Veranstaltungsgröße können alle Teilnehmenden reihum zwei Dinge nennen: „eine Sache, die ich hier gelernt habe, und eine Sache, die ich mir für die Zeit nach der Veranstaltung vornehme“. (Bei größeren Veranstaltungen lässt sich das auch organisieren, indem jede*r seine Punkte mit Umsitzenden in einer Kleingruppe teilt. Bei Online-Veranstaltungen können Breakout-Räume genutzt werden.)
  • Anschließend ist wichtig, dass der gute Vorsatz möglichst konkret in das individuelle ToDo-Management umgesetzt wird. Dafür wird auf einer Folie genau gezeigt, in welchen Schritten das geschehen kann, zum Beispiel so:
    (1) Vervollständige auf einem Zettel oder digital den Satz „Mein guter Vorsatz für die Zeit nach der Veranstaltung lautet: Ich will …“
    (2) Ergänze dazu ein Datum, bis wann Du das getan haben willst.
    (3) Übertrage Deinen Vorsatz in Deine ToDo-Liste (oder andere Software/Listen, mit denen Du Dich organisierst).
    (4) Setze Dir eine Erinnerung an das Vorhaben in den Kalender / in Dein Smartphone.
    (5) Setze Dir eine weitere Erinnerung in den Kalender, wann Du die Ergebnisse mit den anderen Teilnehmenden teilen willst.

Ergebnisse wieder mit den Teilnehmenden teilen

In der prä-digitalen Veranstaltungswelt gab es ähnliche Methoden beispielsweise die „Postkarte an mich selbst“. In digitalen Lernumgebungen kommt eine weitere Komponente hinzu: Man kann seine Ergebnisse wieder mit den weiteren Teilnehmenden teilen. Das kann je nach Veranstaltung eine Messengergruppe, ein Lernmanagementsystem, eine E-Mail-Liste oder ähnliches sein. Zur Not können die Teilnehmenden ihre Ergebnisse auch einzeln an die Gastgeber schicken, die das dann zusammenstellen und an alle weiterschicken.
Wenn die Lernenden die Ergebnisse wieder mit den anderen Teilnehmenden teilen sollen, dann ist es für die oben beschriebenen Schritte (2) und (5) empfehlenswert, gemeinsame Termine für alle festzulegen, z.B. „innerhalb von einem Monat“ – wobei hier am besten mit einem ganz konkreten Datum gearbeitet werden sollte.
Die Methode „Mein guter Vorsatz“ baut eine Brücke zwischen dem Lernen auf der Veranstaltung und der Arbeit im Alltag. (Auf theoretischer Ebene wird hier übrigens noch eine Brücke gebaut, nämlich die zwischen Veranstaltung als Event und dem Austausch als Community.)

Tipps zur praktischen Umsetzung der Methode „Mein guter Vorsatz“

Hier einige Erfahrungswerte zur Anwendung der Methode:

  • Weniger ist mehr! Die Methode heißt bewusst nicht „Meine vielen guten Vorsätze“, sondern fokussiert auf einen einzelnen Aspekt. Das muss niemanden bremsen, mehrere Punkte in der eigenen Praxis umzusetzen. Aber lieber ein guter Vorsatz, der auch umgesetzt wird, als vier gute Vorsätze, von denen keiner verwirklicht wird.
  • Unbedingt schriftlich! Die Konkretisierung in Schriftform und möglichst an einem Ort, der für ToDos im Alltag genutzt wird, ist von kritischer Bedeutung. „Einfach so“ formulierte gute Vorsätze überleben selten den Rückweg von der Veranstaltung.
  • Erinnerungen helfen! Zum entsprechenden Zeitpunkt können die Gastgeber der Veranstaltung eine Erinnerung an die Teilnehmenden schicken: „Heute vor einem Monat haben wir alle unseren guten Vorsätze notiert …“ Außerdem kann schon ein paar Tage vorab auf die Frist hingewiesen werden: „Am Freitag ist die Veranstaltung ein Monat her – und die ‘Guten Vorsätze’ werden fällig …“
  • Das Eis brechen! Wenn die Ergebnisse miteinander geteilt werden, zum Beispiel in einer Messengergruppe, fällt es manchmal schwer, den Anfang zu machen. Da kann eine Eisbrecherin helfen, die man anstupst, ob sie vorangehen mag. Dabei kann auch eine Nachricht „Ich habe es nicht geschafft …“ ein hilfreicher Einstieg sein. Denn wenn erst einmal drei Personen von Erfolgsgeschichten berichten, mag kaum noch jemand schreiben, dass er/sie es nicht geschafft hat.
  • Die Methode lässt sich gut mit einem Buddy-System verbinden. In einer Gruppe von zwei oder drei Personen kann die Verbindlichkeit für den guten Vorsatz sogar höher sein.
  • Der Teil der Methode, der noch während der Veranstaltung stattfindet, lässt sich gut mit dem einem #til-Storm verbinden.

 

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