Kooperatives Online-Lernen – Teil 1: Wie und wozu?

Grundlagen zum kooperativen Lernen in Online-Umgebungen

Kollaboration | Jula Henke für J&K – Jöran und Konsorten unterstützt durch Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), CC BY 4.0

Kooperation ist im Bildungskontext keine Unbekannte und dennoch ist häufig nicht klar, was damit eigentlich gemeint ist. Dazu kommen erweiterte Anforderungen, wenn eine solche Zusammenarbeit in einem digitalen Setting stattfindet. Hier geben wir einen Überblick über Grundlagen zum kooperativen Lernen im Rahmen von Online-Veranstaltungen.

Wie funktioniert kooperatives Online-Lernen?

Kooperatives Lernen bedeutet, dass mehrere Personen oder Gruppen durch intensiven Austausch eine gemeinsame Aufgabe bearbeiten. Wenn Lernende auf diese Weise etwas zusammen erarbeiten, kann das zeitgleich oder auch zeitversetzt stattfinden. Verschiedene Textteile können von unterschiedlichen Autor*innen beigesteuert werden, die als solche erkennbar bleiben. Das gemeinsame Produkt kann aber auch so entstehen, dass alle zu allen Teilen etwas beitragen. Oft sind mit „Kooperation“ Formen der Zusammenarbeit gemeint, die – zumindest teilweise – selbstorganisiert sind.
In der Regel werden zum digital gestützten kooperativen Lernen unterschiedlichste Tools genutzt. Dies können Texttools, digitale Whiteboardlösungen oder andere Plattformen sein. Aber auch über Videokonferenzen lässt sich kooperatives Arbeiten gestalten. Sie ermöglichen, dass von unterschiedlichen Endgeräten aus alle Lernenden dieselbe Version eines Bearbeitungsschrittes vor Augen haben. Dazu müssen keine Dateien versandt werden, und die Aufgabe können alle gleichzeitig betrachten. Hier ist zu beachten, dass viele dieser Tools am zuverlässigsten funktionieren, wenn sie am Computer im Browser aufgerufen werden. Daher sollte eine entsprechende Lernumgebung geschaffen werden, die es den Teilnehmenden erlaubt, störungsfrei zu arbeiten. Im Vorfeld sollte man sich also über die Nutzung (und ggf. Bereitstellung) von passender Hard- und Software für Aufgabe und Zielgruppe Gedanken machen. Was bei der Organisation rund um eine Online-Lerneinheit zu beachten ist, wird in diesem Artikel der bpb anhand des Beispiels Blended Learning Schritt für Schritt aufgezeigt.

Warum braucht man kooperatives Lernen?

Das Lernen durch Zusammenarbeit hat verschiedene Vorteile. Da mehrere Personen ihre Sicht der Dinge beitragen, können unterschiedlichste Perspektiven berücksichtigt werden. Das Ergebnis wird so inklusiver und diverser. Das aktive Erarbeiten und der gemeinsame Austausch lassen Fehler schneller auffallen. Dies wiederum führt zu einer Verbesserung der Qualität des Lernergebnisses und einem höheren Lerngewinn. Außerdem motiviert und aktiviert das gemeinsame Erarbeiten die Lernenden. Unabhängig vom Kenntnisstand bringen sie ihr Wissen ein und nehmen sich als ein wichtiger Teil einer Gemeinschaft wahr, die zusammen etwas Inhaltliches erarbeitet. Digitale Settings bieten zusätzlichen Mehrwert in der Kooperation, da sie mehr Freiheiten in der Zusammenarbeit ermöglichen. Ob gemeinsam von unterschiedlichen Orten oder zu unterschiedlichen Zeiten gearbeitet werden soll – die Optionen sind vielfältig und fördern die Selbstständigkeit.

Gerade in Online-Veranstaltungen ist es herausfordernd, die Teilnehmenden bei der Sache zu halten. Es bietet sich an, die Vorteile kooperativer Aufgaben dahingehend zu nutzen. Die interaktive Ausrichtung erlaubt es, die Aufmerksamkeit und Motivation hoch zu halten und der sogenannten Zoom-Fatigue vorzubeugen. Mit dem Einsatz unterschiedlicher Tools wird Abwechslung in der Veranstaltung geboten. Bei Bearbeitung der kooperativen Aufgaben lernen sich die Teilnehmenden untereinander besser kennen, als wenn der oder die Vortragende den größten Anteil an Inhaltsvermittlung übernimmt. Die Lernenden profitieren vom gemeinsamen Blick auf das Tool und Veränderungen, die in Echtzeit angezeigt werden. Sie schaffen Möglichkeiten, sich über Details konkret auszutauschen und direkt Feedback geben zu können.

Wie sieht kooperatives Online-Lernen in der Praxis aus?

Um in einem kooperativen Setting erfolgreich lernen zu können, sollte im Vorfeld eine klare Struktur angelegt werden. Ob Text oder Whiteboard, das entsprechende Dokument sollte so angelegt sein, dass die Lernenden dieses nur noch mit Inhalt füllen müssen. So braucht es je nach Tool beispielsweise eine Vorlage, die passenden Freigabeeinstellungen, einen Titel – vor allem sollte der Link griffbereit zum Versenden sein. Mehr dazu folgt in den weiteren Artikeln dieser Reihe. Zusammengefasst: Eine starke Struktur bietet als Gerüst Stabilität für das gemeinsame Lernen.

Für die gemeinsame Bearbeitung einer Aufgabe mit einem Online-Tool – beispielsweise einem Whiteboard – benötigt es eine Moderation. Sie kann aus dem Kreis der Lernenden oder von der Person übernommen werden, die die Aufgabe stellt. Die Moderation gibt einerseits einen Überblick über das Vorgehen und strukturiert den Prozess. So kann die Moderation für ein gemeinsames Brainstorming festlegen, dass zunächst Stichpunkte gesammelt und dann sortiert werden. Zur Arbeitsstruktur kann auch gehören, dass Klärungen nicht auf Textebene im Board, sondern in einem gesonderten Chat stattfinden.
Die Umsetzung der Struktur liegt auch bei der Moderation. In unserem Beispiel kann sie während der Bearbeitung Unklarheiten ausräumen, die über den Chat kommuniziert werden. Im Anschluss daran gehört es auch zu ihrer Aufgabe, die Sortierung der gesammelten Ideen auf dem Board zu koordinieren.
Natürlich kann die Moderation auch anleiten, dass die Gruppe sich gemeinsam eine Arbeitsstruktur überlegt, statt eine Arbeitsweise vorzugeben. Dies kann je nach Vorerfahrung der Mitarbeitenden hilfreich sein. Wichtig ist, dass es ein gemeinsames Verständnis des Vorgehens gibt. Geregelt werden muss sowohl die inhaltliche als auch die organisatorische Zusammenarbeit: Gibt es Hierarchien, dürfen alle alles oder gibt es eine Person, die das Endprodukt letztlich abnimmt? Wie fein das Regelwerk ist, ist vom Lernziel und dem gewünschten Endprodukt abhängig: So kann es sinnvoll sein, Standards für Texte festzulegen, beispielsweise wie mit Fremdwörtern umgegangen wird und wie ein geschlechtergerechter Sprachgebrauch umgesetzt werden kann. Je mehr Mitspracherecht jede*r Einzelne hat, desto aufwendiger ist die Koordination. Umgekehrt gilt auch hier: Die Moderation schafft als Gerüst Stabilität. Je fester die Struktur vordefiniert ist, desto sicherer kann darin gearbeitet werden. Auf der Kehrseite kann eine feste Struktur Kreativität und Innovation hemmen oder individuelle Herangehensweisen erschweren.

Kooperatives Lernen kann zeitgleich und zeitversetzt stattfinden. Beides ist möglich und beide Varianten haben ihre Stärken: Wenn asynchron gearbeitet wird, kann jede*r in der eigenen Geschwindigkeit vorgehen. Beim synchronen Arbeiten kann man in sehr kurzer Zeit viel erreichen und auch Teilnehmende, die sich erst in ein Thema einarbeiten, können etwas zum großen Ganzen beitragen. Bleiben wir beim Beispiel von eben, dem Brainstorming auf einem Whiteboard. Dies kann sowohl zeitgleich in einer Videokonferenz, als auch als eine zeitversetzte Aufgabe zur individuellen Bearbeitung stattfinden. Das Ergebnis kann dann von einer Person/Gruppe oder in einer gemeinsamen Lernphase strukturiert werden. Bei der Bearbeitung sind natürlich auch Mischformen aus synchronem und asynchronem Arbeiten denkbar.

Wann kann kooperatives Online-Lernen eingesetzt werden?

Kooperative Lernsettings können im digitalen Bereich weit vielfältiger gestaltet sein, als das Beispiel eines Brainstormings auf einem Whiteboard suggeriert. Es bietet sich auch an, wenn eine gemeinsame Dokumentation unterschiedlicher Arbeitsphasen angelegt werden soll. Im Rahmen von Barcamps wird dies häufig für die Dokumentation der Sessions genutzt. Sogar die Erarbeitung längerer Texte kann kooperativ stattfinden. Sofern sich hier auf eine Arbeitsweise geeinigt wurde (Welche Struktur soll der Text haben? Wer arbeitet wann an welchem Teil? Wer überarbeitet? Wer arbeitet die Überarbeitungen ein?), kann dies auch zeitversetzt stattfinden. In mehrteiligen Veranstaltungen – wie mehrtägige Seminare oder Workshops – kann die gemeinsame Arbeit bei den Terminen selbst als auch in der Weiterarbeit dazwischen stattfinden. So können ganze Lernprozesse kooperativ angelegt werden. Neben diesen Beispielen gibt es noch unzählige weitere Möglichkeiten, in und um online Veranstaltungen herum zusammen zu arbeiten und zu lernen.

Dieses Material wurde in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erstellt.

Lizenz

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Urheberin dieses Materials: „Julia Zwick / Agentur J&K – Jöran und Konsorten unterstützt durch Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)“ | https://selbstlernen.net | Lizenz zu diesem Material: CC BY 4.0

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