Wie Teilnehmende sich bei hybriden Veranstaltungen austauschen können – Methoden und Moderation

HowTos zu hybriden Bildungsveranstaltungen – Teil 2

Hybrides Setting | Jula Henke für J&K – Jöran und Konsorten, CC BY 4.0

Der Austausch der Teilnehmenden untereinander ist ein wichtiges Element von Bildungsveranstaltungen. Für Präsenz- und für Online-Veranstaltungen gibt es dafür erprobte Verfahren. Bei hybriden Formaten wird es etwas komplizierter. Aber auch das ist machbar, wenn man einige Dinge entsprechend berücksichtigt und plant. Wir erklären die Grundlagen und praktische Möglichkeiten.

Ausgangspunkte

Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf hybride Bildungsangebote, hier verstanden als Präsenzveranstaltungen, an denen Teilnehmende sowohl vor Ort als auch online teilnehmen können. In diesem Setting wird die Präsenzveranstaltung als Ausgangspunkt der Überlegungen gesetzt, weil typische Formen wie Tagungen, Kongresse, Barcamps, Vorträge oder Podiumsdiskussionen vertraute Formate sind. Von dieser Basis ausgehend wird die Online-Beteiligung quasi „dazu gedacht“.
Bei diesem Artikel handelt es sich um Teil 2 unserer Artikelreihe zu hybriden Bildungsveranstaltungen. Es empfiehlt sich, Teil 1 zuvor zu lesen, denn dort werden sowohl der grundsätzliche Aufbau als auch Beispiele für die Beteiligung von Online-Teilnehmenden mit Fragen, Kommentaren und anderen Wortbeiträgen „in Richtung Bühne“ beschrieben. Im Gegensatz dazu geht es in den nächsten Absätzen um die Kommunikation der Teilnehmenden untereinander – also nicht spezifisch zu Referent*innen oder Moderation, sondern quasi peer-to-peer.

Die Onliner können nicht in präsenz kommen, deswegen müssen die Präsenzler online gehen

Prinzipiell müssen hybride Konzepte nicht zwangsläufig die Zielsetzung verfolgen, dass Präsenz-Teilnehmenden und Online-Teilnehmende möglichst gleich behandelt werden. Es können auch für jede Gruppe eigenständige Überlegungen angestellt werden, was wie möglich und sinnvoll ist. Die folgenden Überlegungen zielen jedoch auf eine symmetrische Vernetzung beider Gruppen ab. Veranstaltungen ist für mich der Versuch, Ungleiches gleich zu behandeln, also Online- und Präsenz-Teilnehmende möglichst auf eine Ebene zu bringen. Damit kommen komplizierte, schlecht funktionierende, kleinste gemeinsame Nenner-Dinge heraus.

Ein banaler, aber wichtiger Ausgangspunkt der Überlegung lautet: Die Online-Teilnehmenden und die Präsenz-Teilnehmenden müssen sich in einem Medium treffen, um sich austauschen zu können. Die Online-Teilnehmenden können nicht direkt in die Präsenz kommen. Also müssen die Präsenz-Teilnehmenden online gehen, um ein gemeinsames Kommunikationsmedium nutzen zu können. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, von denen einige im Folgenden skizziert werden.

Online-Diskussionorte für alle

Ein etabliertes Verfahren ist ein Online-Diskussionsraum, z.B. ein Textchat. Auf diesen Chat haben die Online-Teilnehmenden Zugriff, zusätzlich zu einem Video-Livestream, über den das Hauptprogramm der Veranstaltung übertragen wird. Auch die Präsenz-Teilnehmenden können diesen Chat nutzen, vorausgesetzt dass sie über ein Smartphone oder ein anderes Gerät verfügen, Internetzugang inklusive. Bei der Auswahl von konkreten Tools müssen die Einschränkungen der Präsenz-Teilnehmenden mitgedacht werden. Für sie ist beispielsweise wichtig, dass der Chat auch eigenständig verfügbar ist, also nicht nur in Kombination mit einem Video (wie das z.B. bei einem Livestream via YouTube oder Facebook der Fall wäre). Denn das Video können sie vor Ort i.d.R. nicht nutzen, z.B. weil der Ton andere Teilnehmende stören würde oder die Bandbreite nicht ausreicht. Und wahrscheinlich sehen – und noch entscheidender: hören – die Teilnehmenden vor Ort ja genau das, was einige Sekunden später auch im Video online passiert.

Vor diesem Hintergrund sind Tools, die in der Hauptsache auf Texte und Bilder setzen, für hybride Formate die richtige Wahl. (Bei komplett online stattfindenden Veranstaltungen ließen sich alternativ auch Formate mit Video und /oder Audio-Ebene nutzen.) Wie kann das konkret aussehen?

  • Solche Tools sind zum Beispiel klassische Chats oder Messengergruppen wie z.B. Telegram.
  • Alternativ sind komplett öffentliche Dienste denkbar, beispielsweise die Nutzung von Twitter oder Instagram mit einem vereinbarten Hashtag.
  • Es gibt spezifische Software-Anbieter, die sowohl den Austausch untereinander wie auch einen Rückkanal „zur Bühne“ bieten.
  • Und schließlich gibt es auch noch All-in-One Event-Software, die für den Austausch spezifische Funktionen wie Userprofile, Foren oder Chats vorsehen.

      Visualisierung von Online-Aktivitäten

      Während für die Online-Teilnehmenden der ständige Blick auf den Bildschirm der Normalfall ist, müssen die Präsenz-Teilnehmenden mit ihrer Aufmerksamkeit stärker wechseln zwischen ihrer physischen Umgebung und dem „Blick ins Internet“. Um die Verbindung zu erleichtern, können in der Präsenzsituation „Fenster“ zur Online-Welt geschaffen werden. Ein beliebtes Verfahren ist eine Twitterwall, auf die Tweets (oder andere Beiträge) per Beamer oder Display vor Ort gezeigt werden. Andere Alternativen sind Terminal-Stationen oder – deutlich experimenteller – Möglichkeiten zum Ausdrucken von Online-Beiträgen. So konnte man zum Beispielen beim Congress des Chaos Computer Clubs digitale Nachrichten schicken, die vor Ort in Form von „Chaos Post“ in real life umgesetzt wurden.

      Gezielte Treffen einrichten

      Selbstverständlich lässt sich der hybride Austausch zwischen Teilnehmenden auch gezielter in Veranstaltungen einbinden. Auch hier gilt: Die Präsenzler müssen ein Fenster zur Online-Welt öffnen, um die Kommunikation zu ermöglichen. Ein herausragendes Beispiel für dezidierte Programmpunkte, bei denen sich Teilnehmende bei einer Konferenz mit Online-Teilnehmenden austauschen, ist das internationale Projekt Virtually Connecting. Deren Vernetzungsaktivitäten finden in der Regel auf Englisch und bei wissenschaftlichen Tagungen statt. Das Format ist aber durchaus übertragen.

      Moderation und Prävention

      Die beschriebenen Aktivitäten setzen nicht zwingend eine Moderation voraus. Allerdings sollten die Gastgeber von solchen Aktivitäten sich vorab Gedanken über mögliche kritische Situationen machen. Das kann, insbesondere bei öffentlichen Diskussionen, bei Spam beginnen und bis zu Beleidigungen, Bedrohungen und anderen Formens des Harassments gehen. Um dem vorzubeugen, sollte eine Netiquette vorab für alle Teilnehmenden zugänglich gemacht werden. Bei einigen Konferenzen haben sich darüber hinaus Verhaltensregeln / Code of Conduct bewährt, die sowohl für Präsenz- als auch für Online-Teilnehmende relevant ist. Als Anlaufstellen und zur Durchsetzung dieser Regeln braucht es Ansprechpartner*in, Moderation und Verabredungen, wie im Zweifelsfall gehandelt wird. Auch wenn ein solcher Ernstfall hoffentlich nicht bei jeder Veranstaltung auftritt – besser ist es, sich schon vorher entsprechende Gedanken zu machen.

      Dieses Material wurde in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erstellt.

      Lizenz

      CC BY 4.0 Logo

      Urheber dieses Materials: „Jöran Muuß-Merholz / Agentur J&K – Jöran und Konsorten unterstützt durch Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)“ | https://selbstlernen.net | Lizenz zu diesem Material: CC BY 4.0

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