Online Gruppenarbeit – Teil 1: Wie und wozu?

Wofür eignet sich das Arbeiten in Gruppen?

Warum ist es überhaupt sinnvoll, bei Bildungsveranstaltungen in Kleingruppen zu arbeiten? Sowohl in Präsenz- als auch bei Online-Veranstaltungen haben Gruppenarbeitsphasen viele Vorteile. Die Vielfalt von Perspektiven und Fähigkeiten fördert die Ideensammlung, führt zu qualitativ hochwertigen Ergebnissen und zu guten Diskussionen. Teilnehmende müssen aktiver sein, dadurch wird ihre Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit gesteigert. Lernende können einander ergänzen, verbessern und sich mehr einbringen als beim passiven Zuhören in einer großen Gruppe. Gerade bei Online-Workshops oder -Konferenzen ist der frontale Anteil im Programm eher höher, und oft fehlen zwischenmenschlichen Begegnungen. Auch dafür sind Gruppenarbeitsphasen hilfreich. Sie können den Ablauf einer Konferenz zusätzlich auflockern.

Gruppenarbeit | Jula Henke für J&K – Jöran und Konsorten unterstützt durch Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), CC BY 4.0

Bei Präsenzveranstaltungen ist die Vernetzung mit anderen Menschen oft einfacher als bei Online-Formaten, da Unterhaltungen während der Veranstaltung oder in kleinen Pausen und Übergangsphasen möglich sind. In der digitalen Welt wird die Kontaktaufnahme, Small-Talk und der kurze Austausch zwischen Teilnehmenden von Vielen als schwieriger empfunden. In kleinen Gruppen wird dieser Austausch gefördert, es gibt mehr Zeit und Raum, um die eigene Meinung zu äußern, Fragen zu stellen oder zwischendurch auch private Kommentare auszutauschen.

Im Digitalen gibt es weniger Austauschmöglichkeiten zwischen Teilnehmenden, es fehlt das Gefühl der aktiven Teilnahme, und frontale Formate führen zu Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Durch die Nutzung von Gruppenarbeitsphasen können diese Defizite ein wenig ausgeglichen werden. Hier geben wir einige Tipps, wie Gruppenarbeit genutzt werden kann, um Interaktion, Aufmerksamkeit und Austausch zu unterstützen. In einem weiteren Artikel geben wir Tipps zur Online-Gruppenbildung.

 

Welche Methoden und Formen der Gruppenarbeit gibt es?

Vorbereitung der Gruppenarbeit

Egal welche Form für die Gruppenarbeitsphase genutzt wird, eine gute Vorbereitung ist gerade beim digitalen Arbeiten enorm wichtig.
So sollte die Aufgabe klar gestellt und verständlich formuliert sein. Ein Vorstrukturieren durch Leitfragen oder das Anführen von Beispielen kann für Orientierung sorgen. Die Teilnehmenden sollten wissen, was das Ziel der Arbeitsphase ist und was mit den Ergebnissen aus der Phase passiert. Arbeitsauftrag und Zielsetzung sollten nicht nur vorab eingeführt, sondern auch während der Gruppenphase permanent sichtbar sein. Auch die Zeit sollte im Blick behalten werden, bei vielen Tools kann man Nachrichten in die Breakout-Räume senden, so kann man beispielsweise zur Halbzeit und fünf Minuten vor Ende einen Hinweis zur verbleibenden Zeit in die Räume schicken.
Falls für die Gruppen keine Moderation eingeplant ist, kann zu Beginn eine Person als Kümmerer*in festgelegt werden. Diese Person ist dann beispielsweise dafür zuständig, die Zeit im Blick zu behalten.

 

Breakout-Räume

Mit der Breakout-Raum-Funktion lassen sich Gruppenphase ohne viel Aufwand organisieren. Viele Videokonferenztools bringen diese Funktion bereits mit. Mit ihr lässt sich eine große Gruppe in Kleingruppen aufteilen – entweder zufällig oder systematisch. Die Gruppengröße kann vorab festgelegt werden. Die Teilnehmenden begegnen sich dann mit Bild und Ton in kleinerer Runde und könne sich austauschen oder gemeinsam arbeiten.

 

An einem Thema zusammenarbeiten

Kleingruppen können dazu genutzt werden, um gemeinsam an einem Thema zu arbeiten. Das Thema einer Konferenz kann beispielsweise in Unterthemen oder Teilaspekten aufgeteilt werden und jede Gruppe arbeitet zu einem Teilaspekt des Themas. Hierzu können Leitfragen zur Bearbeitung vorab vorbereitet werden. Am Ende der Gruppenphasen stellt dann jede Gruppe ihr Ergebnis im Plenum vor.
Für die Zusammenarbeit in den Breakout-Räumen eignen sich kollaborative Textdokumente wie beispielsweise Etherpads.

Ein weiteres Beispiel ist das Erstellen einer 10-Punkte- oder A-Z-Liste. Dazu erhält jede Gruppe ein Thema und erarbeitet 10 wichtige Fragen oder Punkte (von A-Z) zum Thema.
Hier können Online-Whiteboards zum Einsatz kommen. Sie bieten sich für das gemeinsame Arbeiten an. Beispielsweise kann für alle Gruppen ein Board mit Bereichen pro Gruppe angelegt werden. Nun erstellen die Teilnehmenden ihre Listen, die Kommunikation erfolgt weiterhin via Breakout-Raum oder via Text-Chat auf dem Online-Whiteboard.
Auch hier können am Ende der Gruppenphase die Ergebnisse im Plenum vorgestellt werden. Alternativ kann man einen Gallery-Walk durchführen. Dafür kehren die Teilnehmenden aus den Breakout-Räumen ins Plenum zurück, bleiben aber auf dem Online-Whiteboard und stöbern dort nun von Gruppenbereich zu Gruppenbereich und schauen sich die Ergebnisse der anderen Gruppen an.

 

Murmelrunde oder Austausch

Eine weitere Einsatzmöglichkeit von Breakout-Räumen ist die Nutzung als Murmelrunde oder zum Austausch der Teilnehmenden untereinander. Nach einem Input oder einer Diskussionsrunde können die Teilnehmenden so in kleinen Gruppen das Gelernte reflektieren und sich darüber austauschen.
Diese Phasen können ganz offen gestaltet sein oder durch Impulsfragen vorab strukturiert werden.

 

Kennenlernen und Warm-Up

Auch zum Kennenlernen der Teilnehmenden untereinander bietet sich die Nutzung von Breakout-Räume an. Hier können Methoden wie beispielsweise Speeddating zum Einsatz kommen.

 

Eigenständige Koordination in Gruppen

Statt die Teilnehmenden während der Videokonferenz in Breakout-Gruppen aufzuteilen, gibt es auch die Möglichkeit, die Ausgestaltung der Themenbearbeitung und die Form der Zusammenarbeit den Gruppen selbst zu überlassen. So könnten die Workshopleiter*innen beispielsweise Gruppen erstellen, die Teilnehmenden zuteilen und die Aufgaben verteilen. Jede Gruppe muss sich dann selbstständig organisieren und kann dabei die Tools und Methoden nutzen, die sie kennt oder die für die Aufgabenstellung relevant sind. Das können zum Beispiel Audio- oder Videoanrufe sein oder auch die Nutzung von Etherpads, Präsentationen oder digitalen Whiteboards. Durch die eigene Koordination und Verantwortung wird der Austausch zwischen den Teilnehmenden gefördert, alle müssen sich aktiv einbringen und selbst mitdenken, um kreative Lösungen zu finden und zu präsentieren.

Dieses Material wurde in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erstellt.

Lizenz

CC BY 4.0 Logo

Urheberinnen dieses Materials: „Blanche Fabri und Nele Merholz / Agentur J&K – Jöran und Konsorten unterstützt durch Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)“ | https://selbstlernen.net | Lizenz zu diesem Material: CC BY 4.0

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