Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 4: Taskforce für gute Dokumentation bei Barcamps
Mit einem Vorab-Workshop wirkungsvoll auf gute Dokumentation während eines Barcamps hinwirken
Damit gute Dokumentation bei einem Barcamp gelingt, kann es hilfreich sein, bereits vorab zu einem Workshop einzuladen, um dort gemeinsam mit einem Teil der späteren Barcamp-Teilgebenden über gute Dokumentation zu lernen. In diesem Beitrag erfährst du, wie sich diese Idee umsetzen lässt und was bisherige Erfahrungen damit sind.
Was ist mit „Taskforce“ für gute Barcamp-Dokumentation gemeint?
Eine Taskforce für gute Dokumentation bei Barcamps entsteht prototypisch in drei Schritten:
- Vor dem eigentlichen Barcamp haben interessierte Teilgebende die Möglichkeit, an einem Workshop zum Thema gute Dokumentation teilzunehmen. In diesem Workshop wird gemeinsam gelernt, was überhaupt genau Dokumentation ist, warum es gerade bei Barcamps relevant ist und wie sich gute Dokumentation praktisch umsetzen lässt. Eine gute Zeitdauer für solch einen Workshop sind 2 Stunden.
- Als Teil des Workshops wird eine gemeinsame Messenger-Gruppe eingerichtet, in der sich die Workshop-Teilnehmenden mindestens während des dann folgenden Barcamps zusammenfinden und niederschwellig austauschen können. Dort bestärken sie sich während des Barcamps gegenseitig, die Herausforderung der Dokumentation nicht aus dem Blick zu verlieren. Außerdem können sie sich gegenseitig über Learnings berichten und auf eventuelle Lücken in der entstehenden Dokumentation aufmerksam machen.
- Auf diese Weise nehmen die am Workshop beteiligten Personen während des Barcamps fast schon automatisch die Rolle von Doku-Kümmerer*innen ein. Das bedeutet: Sie kümmern sich nicht zwangsläufig selbst um die Dokumentation, aber sie machen Dokumentation, in den Sessions, die sie besuchen zu einem Thema. Zum Beispiel indem sie die anderen Beteiligten an die Herausforderung der Dokumentation erinnern. Oder auch indem sie bei technischen Fragen zur jeweiligen Tool-Nutzung weiterhelfen können.
Wenn man damit rechnet, dass bei rund 100 Teilgebenden an einem Barcamp ungefähr 15 Personen zuvor an solch einem Pre-Workshop teilgenommen haben, ist es bei ungefähr 6 Slots parallel relativ wahrscheinlich, dass in fast jeder Session eine Person mit dabei ist, die vorher auch beim Pre-Workshop teilgenommen hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass in den Sessions gut dokumentiert wird, ist somit sehr hoch.
Gelingensbedingungen für den Pre-Workshop
Damit solch ein beschriebener Pre-Workshop zu guter Barcamp-Dokumentation gut gelingt, ist es wichtig, dass die Teilnehmenden intrinsisch motiviert und interessiert teilnehmen. Das lässt sich vor allem durch die folgenden Aspekte erreichen:
- Der Pre-Workshop muss für die Teilnehmenden als wertvolle Fortbildung für sie selbst eingeordnet werden. Das Gegenteil davon wäre, wenn Teilnehmende das Gefühl haben, dass versucht wird, ihnen hier eine ansonsten unliebsame Aufgabe aufzudrücken.
- Es muss viel Raum für Vorstellung und gemeinsamen Austausch geben. Auf diese Weise sind die Teilnehmenden auch für das dann anstehende Barcamp gut vernetzt und erleben das Angebot für sich als positiv. Gerade für Newbies bei einem Barcamp kann solch ein Workshop hilfreich sein, weil sie quasi nebenbei auch direkt viel lernen können, wie ein Barcamp grundsätzlich funktioniert. Spannend ist bei solch einem Pre-Workshop dann meistens die entstehende Mischung zwischen Newbies und erfahrenen Barcamp-Teilgebenden.
- Ein großer inhaltlicher Fokus sollte – neben der Erläuterung des technischen Handwerkszeugs – auf der Einordnung und Begründung für Dokumentation liegen. Dokumentation sollte hier als Möglichkeit dargestellt werden, sowohl auf der individuellen Ebene zu einem vertieften Lernen gelangen zu können, als auch das Barcamp für sich selbst und für andere gut weiternutzbar zu machen. Unmittelbar einleuchtend ist bei Barcamps darüber hinaus das Argument, dass es ja aufgrund des Formats von mehreren parallel laufenden Sessions niemals möglich ist, alles vor Ort mitzubekommen. Es hilft deshalb auch Teilgebenden, wenn in anderen Sessions gut dokumentiert wird und man entsprechend nachlesen kann.
Praxisbeispiel: OERcamp Lübeck 2019
Im Rahmen der OERcamps gab es ein erstes Experiment mit solch einem Pre-Workshop zu guter Dokumentation beim OERcamp 2019 in Lübeck. Hier nahmen rund 15 Personen aus unterschiedlichen Bildungsbereichen und mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten teil. Der Workshop war noch vor den Lockdowns der Corona-Pandemie, die ja im Bereich des Online-Lernens einen großen Kompetenzzuwachs auch in der Barcamp-Community bedeuteten. Der Fokus lag hier somit sehr stark auf der Vorstellung des damals schon zur Dokumentation genutzten Tools des Etherpads. Für viele der Beteiligten war der Workshop die erste Erfahrung mit kollaborativem Schreiben in Etherpads. Diese Learnings wurden dann direkt in das dann folgende OERcamp weitergetragen. Das erfreuliche Ergebnis war eine sehr hohe Dokumentationsquote.
Einladung als Interview
Das Anliegen eines Pre-Workshops zu guter Dokumentation haben Jöran Muuß-Merholz und Nele Hirsch vorab in diesem Kurz-Interview verdeutlicht und zur Anmeldung aufgerufen. Auf ähnliche Art und Weise könntest auch du einen entsprechenden Pre-Workshop bewerben.
Alternative: Flipped-Angebot für alle
Reflexion und Weiterlernen
Eine ausführliche Reflexion der Idee von Pre-Workshops, aber vor allem auch Antworten zur Frage, warum Dokumentation bei Barcamps wichtig ist und wie sie funktioniert, gibt es in diesem Podcast, der beim OERcamp 2020 in Hamburg aufgenommen wurde:
https://www.selbstlernen.net/sle005/
Alle Artikel dieser Reihe
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 1: Grundlagen zur Barcamp-Dokumention
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 2: Methoden zur Dokumentation in Barcamp-Sessions
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 3: Tool-Auswahl zur Barcamp-Dokumention
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 4: Taskforce für gute Dokumentation bei Barcamps
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 5: Haptisches und erfahrungsbasiertes Lernen dokumentieren
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 6: KI-Hacks für gute Barcamp-Dokumentation
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 7: Dokumentation nach dem Barcamp
Lizenz
Urheberin dieses Materials: „Nele Hirsch mit der Agentur J&K – Jöran und Konsorten für das #OERcamp (2025) | https://selbstlernen.net“
Lizenz zu diesem Material: CC BY 4.0 | Finanzierung: gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBFSFJ)
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