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Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 2: Methoden zur Dokumentation in Barcamp-Sessions

So entsteht in einer Barcamp-Session eine hilfreiche Dokumentation

Die Dokumentation bei Barcamp-Sessions ist eine kollaborative Herausforderung. Wenn aber alle gleichermaßen verantwortlich sind, birgt das die Gefahr, dass im Ergebnis niemand die Verantwortung auch tatsächlich wahrnimmt. Dem lässt sich mit der Rolle von Doku-Kümmerer*innen entgegenwirken. Außerdem kann nur dann eine gute Dokumentation entstehen, wenn alle sich gleichermaßen an der Session beteiligen können und so auch die Dokumentation die Perspektiven aller Beteiligten widerspiegelt. Wie sich beides realisieren lässt, stellen wir in diesem Beitrag vor.

Artikelbild „Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 2: Methoden zur Doku“
Gute Dokumentation bei Barcamps – Methoden zur Doku | J&K – Jöran und Konsorten, CC BY 4.0

Dokumentation als kollaborative Herausforderung

Insbesondere Menschen, die zum ersten Mal an einem Barcamp teilnehmen, empfinden das Lernformat oft als herausfordernd: Es gibt ein riesiges Angebot an Sessions, aus denen man eigenständig auswählen muss, es gibt einen schnellen Wechsel zwischen den unterschiedlichen Räumen und häufig erfolgt in der Moderation auch der Appell, gerne und gerade auch als „Newbie“ direkt schon eine eigene Session anzubieten. Wenn dann noch die Herausforderung der Dokumentation dazu kommt, wird das alles langsam ziemlich viel. Die Herausforderung in der Barcamp-Organisation und vor allem in der Moderation besteht deshalb darin, die Dokumentation so vorzustellen, dass sie nicht der Tropfen ist, der das Fass der Überforderung zum Überlaufen bringt und dann zum Beispiel dafür sorgt, dass auf das Angebot einer eigenen Session verzichtet wird.  

Erfahrungsgemäß gelingt das sehr gut, wenn kommuniziert wird, dass alle gemeinsam Teilgebende sind. Wichtig ist also, sich einzubringen. Es lässt sich aber auswählen, wo man das im Einzelnen und auch wie genau man das tun will. In diesem Sinne ist man herausgefordert, die Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen. Zugleich ist man aber auch niemals allein für das Gelingen eines Barcamps und damit auch nicht für seine Dokumentation verantwortlich, sondern gemeinsam mit allen anderen Teilgebenden. Diese Perspektive kann oft sehr entspannen.

Wider die Verantwortungsdiffusion: Doku-Kümmerer*innen in Sessions

Wenn alle verantwortlich sind, kann es im Ergebnis leicht passieren, dass niemand auch wirklich konkret die Verantwortung wahrnimmt. In diesem Sinne kann es in den Sessions leicht passieren, dass die Dokumentation hinten runter fällt. Alle denken dann, dass irgendwer schon mitschreiben wird. Eine praktikable Lösung, um dem entgegenzuwirken, ist es, in den Sessions zu Beginn abzufragen, wer die Rolle als Doku-Kümmerer*in übernehmen würde. Die Person, die diese Rolle übernimmt, muss nicht selbst alles dokumentieren, aber sie passt grundsätzlich darauf auf, dass mitgeschrieben wird und behält die Dokumentation im Blick.
Wenn die Dokumentation zu Beginn im Plenum als wichtiger Bestandteil eines Barcamps vorgestellt und dazu aufgerufen wird, zu Beginn jeder Session nach Doku-Kümmerer*innen zu fragen, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass das in allen Sessions mindestens einer Person einfällt. Grundsätzlich lässt sich diese Aufgabe natürlich auch an die sessiongebende Person übertragen, aber da man als Sessiongeber*in auch viele andere Sachen im Kopf hat, hilft es, den Appell in der Moderation an alle Teilgebenden zu richten.
Eine ergänzende oder alternative Rolle in einer Session kann übrigens auch die von Zeitwächter*innen sein. Diese Rolle sagt kurz vor dem Ende der Session Bescheid, dass nur noch wenig Zeit zur Verfügung steht. Diese Ansage kann dann direkt auch damit verbunden werden, dass noch einmal kurz auf die Dokumentation geschaut wird und gegebenenfalls wichtige Punkte ergänzt werden.

Spielerische Unterstützung: Gute Tat-Karten

Die Idee von Kümmerer*innen-Rollen kann gut gekoppelt werden mit sogenannten „Gute Tat“-Karten, die Teilgebende am Anfang des Barcamps ziehen oder würfeln. Auf solchen Karten steht immer genau eine Sache darauf, um die man sich im Laufe des Barcamps kümmern sollte, um das Barcamp für alle zu einer guten Veranstaltung zu machen. Solche Gute Tat Karten können zum Beispiel sein, einer anderen Person bei einer Frage weiter zu helfen, sich bei einer sessiongebenden Person für ihr Angebot zu bedanken oder jemandem einen Kaffee in die Session mitzubringen.

Gute Tat-Karten in Zusammenhang mit der Dokumentation könnten zum Beispiel sein:

  • Am Anfang einer Session die Frage der Dokumentation zum Thema machen.
  • Sich als Doku-Kümmerer*in in einer Session melden.
  • In mindestens einer anderen Session, die man nicht besucht hat, etwas in der Dokumentation ergänzen.
  • Eine Session-Dokumentation am Ende des Tages noch einmal durchlesen und Verbesserungen vornehmen.
  • Anderen Teilgebenden bei der Dokumentation helfen.
  • Sprich mindestens drei Personen an, die alleine stehen oder sitzen, und bringe ein Gespräch in Gang.
  • Bedanke dich bei einer sessiongebenden Person für ihr Angebot (z.B. persönlich, über Social Media oder in der Doku).
  • Bringe jemandem einfach so einen Kaffee, Tee oder ein Wasser in die Session mit.
  • Stelle zwei Personen einander vor, von denen du denkst, dass sie gemeinsame Interessen haben.
  • Teile aktiv eine Erkenntnis oder Ressource aus einer Session mit jemandem, der nicht dabei war.
  • Hilf einer sessiongebenden Person beim Aufbau (Technik, Stuhlkreis, Material).
  • Übernimm in einer Session eine Moderationsaufgabe (Zeitwächter*in, Fragenspeicher*in).
  • Sorge dafür, dass in einer Session auch leisere Stimmen zu Wort kommen.
  • Unterstütze spontan eine sessiongebende Person, wenn technische Probleme auftreten.
  • Mache am Anfang einer Session die Frage der Dokumentation zum Thema.
  • Melde dich als Doku-Kümmerer*in in einer Session.
  • Ergänze in mindestens einer anderen Session, die du nicht besucht hast, etwas in der Dokumentation.
  • Lies eine Session-Dokumentation am Ende des Tages noch einmal durch und nimm Verbesserungen vor.
  • Hilf anderen Teilgebenden bei der Dokumentation.
  • Achte darauf, dass ein Session-Raum nach der Nutzung aufgeräumt hinterlassen wird.
  • Weise freundlich auf Dinge hin, die anderen vielleicht entgangen sind (Pausenzeiten, Raumwechsel, Verpflegung).
  • Sammle am Ende des Tages verwaiste Gegenstände ein und bringe sie zum Fundbüro/Orga.
  • Gib den Organisator*innen konkret-konstruktives Feedback zu einem Aspekt des Barcamps.
  • Initiiere in einer Pause eine kurze Reflexionsrunde: „Was war eure beste Session heute?“
  • Schreibe einen Impuls, eine Frage oder ein Lob auf unsere Feedback-Wand.

Gleichberechtigte Beteiligung als Grundlage guter Barcamp-Dokumentation

Die Dokumentation einer Barcamp-Session spiegelt wider, was in der Session gemacht und diskutiert wird. In diesem Sinne kann eine Dokumentation nur dann gut sein, wenn sich alle mit ihren Perspektiven gleichberechtigt in die Session einbringen können. Hierbei helfen Moderationsmethoden, die zum Beispiel im Plenum zum Einstieg vorgestellt werden. 

Hier sind drei sehr niederschwellige Möglichkeiten:

  1. Silent Writing: Bevor eine Diskussion startet, erst 2-3 Minuten Zeit nehmen, so dass alle für sich wichtige Aspekte zur Frage der Session aufschreiben können. Auf diese Weise haben auch leisere und langsamere Menschen die Möglichkeit, sich kurz zu sammeln und sich dann besser zu beteiligen.
  2.  Aufteilung in Kleingruppen: Insbesondere bei großen Sessions ist Beteiligung oft einfacher, wenn nicht alle gemeinsam diskutieren, sondern eine Aufteilung in Kleingruppen erfolgt. Hier fällt es oft auch stilleren Menschen einfacher, sich zu Wort zu melden.
  3. (Quotierte) Erst-Redeliste: Eine Erst-Redeliste bedeutet, dass Menschen nicht in der Reihenfolge aufgerufen werden, in der sie sich melden, sondern diejenigen, die in der Diskussion zum ersten Mal sprechen, automatisch ganz an den Anfang der Redeliste rutschen. In Gruppen, in denen ein sozialisationsbedingtes männlich-dominates Redeverhalten ein Problem ist, kann ein zusätzlicher Sortierungsfaktor das Geschlecht sein. Männer und Frauen sowie diverse Personen werden dann immer im Wechsel drangenommen.  

Diese Methoden helfen erfahrungsgemäß sehr gut bei einer gleichberechtigten Beteiligung. Im Sinne eines Barcamps als offenes Veranstaltungsformat sollten diese Methoden jedoch nicht zur Vorgabe in allen Sessions gemacht werden, sondern lediglich als Anregung mitgegeben werden. Die genaue Ausgestaltung der jeweils eigenen Session liegt in Verantwortung der sessiongebenden Personen.

Fazit: Dokumentation ist ein Lernprozess

Jede Person, die ein Barcamp besucht, entwickelt sich weiter und kann sich in folgenden Barcamps noch besser einbringen. Das gilt auch für die Dokumentation. Es ist ein Prozess, in dem alle gemeinsam besser werden. Diese Lernhaltung zu vermitteln und vorzuleben, ist ein wichtiger Baustein für gelingende Barcamp-Dokumentation.

Lizenz

CC BY 4.0 Logo

Urheberin dieses Materials: „Nele Hirsch mit der Agentur J&K – Jöran und Konsorten für das ​#OERcamp (2025) | https://selbstlernen.net“

Lizenz zu diesem Material: CC BY 4.0 | Finanzierung: gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBFSFJ)

mehr Materialien: https://selbstlernen.net

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