Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 5: Haptisches und erfahrungsbasiertes Lernen dokumentieren
Wie dokumentiert man eine Barcamp-Session, in denen die Teilgebenden gemeinsam Lego bauen, Impro-Theater spielen oder Energizer ausprobieren?
Viele Barcamp-Sessions folgen nicht dem klassischen Muster von Lernangeboten mit Input und Fragen dazu. Stattdessen wird vielfach gemeinsam, oft sehr praktisch und häufig auch haptisch zusammen gelernt. In solchen Sessions ist eine kollaborative Dokumentation besonders herausfordernd. In diesem Beitrag stellen wir unterschiedliche Möglichkeiten vor, wie sie dennoch gut gelingt.
Besondere Barcamp-Sessions und damit verbundene Herausforderungen zur Dokumentation
Um Lösungen für die Dokumentation von besonderen Barcamp-Sessions entwickeln zu können, lohnt sich zunächst ein Blick darauf, wie solche „besonderen“ Barcamp-Sessions denn genau aussehen können. Hier sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein paar Beispiele. (Bei vielen Barcamps sind solche Sessions übrigens eher die Regel denn die Ausnahme, da es bei Barcamps anders als in vielen traditionellen Lernangeboten vielfach ja gerade ganz bewusst um kollaboratives, praktisches und auch kreatives Lernen geht)
- In einer Session soll eine pädagogische Herausforderung gemeinsam diskutiert werden. Da eine relativ große Gruppe zusammengekommen ist, teilen sich die Teilgebenden in mehrere Kleingruppen auf.
- Die Teilgebenden lernen gemeinsam in Bewegung. Zum Beispiel werden Energizer vorgestellt und ausprobiert. Oder man orientiert sich zu einem Thema Mithilfe von Raumaufstellungen.
- Die Session ist als Experimentierraum für Formate wie Design Thinking angelegt, die einem strikten Timeboxing (= mehrere schnelle Übungen in einem engen Zeitraster) folgen.
- Für das gemeinsame Lernen kommt Haptik zum Einsatz. Beispielsweise könnten Teilgebende gemeinsam Lego bauen, um sich einem Thema zu nähern.
- In der Session wird gemeinsam etwas entwickelt, womit Teilgebende sehr beschäftigt sind.
- Die Session findet als Walk & Talk im Freien statt oder nutzt verschiedene Räume.
- Die Session arbeitet mit Rollenspielen oder Simulationen, die eine hohe Aufmerksamkeit erfordern.
In all diesen Varianten kann es schwierig sein, eine funktionierende kollaborative Mitschrift für die Dokumentation zu erreichen. Denn Teilgebende haben in diesen Settings vielfach keinen Zugriff auf ein digitales Endgerät oder sind damit beschäftigt, an anderen Sachen zu schreiben oder zu entwickeln. In manchen Sessions kann es auch eine bewusste Entscheidung sein, auf die Nutzung digitaler Endgeräte zu verzichten, um allen eine direkte Präsenz und möglichst wenig Ablenkung in der Session zu ermöglichen.
Mögliche Lösungen für die Dokumentation
Da die vorgestellten Sessions alle sehr unterschiedlich sind und es ganz sicher auch noch unzählige weitere Möglichkeiten zur Sessiongestaltung in Barcamps gibt, kann hier keine Lösung vorgeschlagen werden, die für alle Session-Arten in Frage kommt. Grundsätzlich sind aber zwei Herangehensweisen übergreifend stimmig. Diese Herangehensweisen sind übrigens auch bei Barcamp-Sessions mit klassischen Formaten sinnvoll:
- Dokumentation zu Beginn klären: Bevor die Beteiligten inhaltlich in die Session einsteigen, sollte Dokumentation kurz zu einem Thema gemacht, d.h. gemeinsam besprochen werden, wie mit der Dokumentation verfahren wird. Das kann von der sessiongebenden Person angesprochen werden oder eine andere Person aus der Session bringt das Thema ein. Grundsätzlich ist es eben wichtig, dass mindestens eine Person in der Session daran denkt. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt, wenn das Thema der Dokumentation zu Beginn des Barcamps in der Moderation gut erklärt wurde und/ oder wenn es eine Taskforce zur Dokumentation durch einen durchgeführten Pre-Workshop gibt.
- Dokumentation zum Abschluss überprüfen: Am Ende der Session sollte etwas Zeit eingeplant werden, um gemeinsam zu überprüfen, ob in Hinblick auf die Dokumentation noch etwas gemeinsam gestaltet oder geklärt werden muss. Das kann dann auch bedeuten, dass eine Kümmer*in festgelegt wird, um z.B. Ergebnisse der Session zu fotografieren oder anderweitig für alle Beteiligten und weitere Interessierte festzuhalten.
Für die konkrete Ausgestaltung der Dokumentation können dann unterschiedliche Ansätze passend sein. Hier ist eine (sicher nicht abschließende Liste) mit Möglichkeiten:
- Beobachter*innen-Gruppe: Die Session wird inhaltlich mit dem größten Teil der Teilgebenden durchgeführt. Einzelne Personen beteiligen sich bewusst nicht, sondern begeben sich in die Rolle von Beobachter*innen, die das Konzept der Session und die Durchführung mitsamt ihrer individuellen Eindrücke dazu aufschreiben. Hier kann zum Beispiel auch eine Sketchnote im Sinne eines Graphic Recordings gestaltet werden.
- Konzept-Verschriftlichung: Wenn in der Session ein bestimmter Ansatz, ein Spiel oder Ähnliches ausprobiert wird, kann die sessiongebende Person, die dieses Konzept dann ja entwickelt hat und durchführt, anbieten, dieses Konzept und die für die Durchführung eventuell genutzten Materialien zu verschriftlichen und allen zur Verfügung zu stellen. Es kann dann hilfreich sein, in der kollaborativen Mitschrift eine Überschrift einzurichten, unter der diese Verschriftlichung dann später eingetragen wird.
- Ergebnisse einsammeln: Zusätzlich oder alternativ zu einer Verschriftlichung des Konzepts kann es hilfreich sein, die entwickelten Ergebnisse oder auch Erkenntnisse der Teilgebenden mosaikartig festzuhalten. Dazu passt es sehr gut, dass gerade in Sessions mit viel Praxis oder auch in Sessions, in denen sich die Teilgebenden in Kleingruppen aufteilen, am Ende der Session ein kurzer, gemeinsamer Abschluss im Plenum vorgesehen ist. Dieser Abschluss kann dann mitgeschrieben oder auch aufgezeichnet werden.
Alternative: Bewusstes Nicht-Dokumentieren
Schließlich kann es vielfach auch Sessions geben, in denen sich die Teilgebenden bewusst dazu entschließen, keine Dokumentation der Session anfertigen zu wollen. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn eine sehr vertrauensvolle Atmosphäre gewünscht ist, in der sich Teilgebende öffnen und auch sensible Themen miteinander teilen möchten. In diesem Fall hilft es, dass in der kollaborativen Mitschrift dennoch kurz der Name und das Anliegen der Session eingetragen wird – und auch kurz dargestellt wird, warum auf eine Dokumentation verzichtet wurde. Solch ein Eintrag ist dann keine Lücke in der Dokumentation, sondern kann ebenfalls eine wertvolle Information für andere Teilgebende und weitere Interessierte sein.
Alle Artikel dieser Reihe
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 1: Grundlagen zur Barcamp-Dokumention
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 2: Methoden zur Dokumentation in Barcamp-Sessions
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 3: Tool-Auswahl zur Barcamp-Dokumention
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 4: Taskforce für gute Dokumentation bei Barcamps
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 5: Haptisches und erfahrungsbasiertes Lernen dokumentieren
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 6: KI-Hacks für gute Barcamp-Dokumentation
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 7: Dokumentation nach dem Barcamp
Lizenz
Urheberin dieses Materials: „Nele Hirsch mit der Agentur J&K – Jöran und Konsorten für das #OERcamp (2025) | https://selbstlernen.net“
Lizenz zu diesem Material: CC BY 4.0 | Finanzierung: gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBFSFJ)
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