Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 7: Dokumentation nach dem Barcamp
Wie du nach einem Barcamp dafür sorgen kannst, dass für alle eine gut weiternutzbare Dokumentation entsteht
Eigentlich wird bei einem Barcamp direkt während der Veranstaltung dokumentiert. Trotzdem muss mit dem Ende der Veranstaltung die Dokumentation nicht beendet sein. Hier findest du Anregungen, wie du zum nachträglichen Dokumentieren ermutigen und die Dokumentation deines Barcamps auf diese Weise für alle besser machen kannst.
Anreicherung und Ergänzung von Barcamp-Dokumentationen
Eigentlich wird bei Barcamps direkt während der Sessions gemeinsam dokumentiert. In vielen Fällen sind dazu Online-Schreibumgebungen (z.B. mit Etherpads) eingerichtet. Oder es gibt vorbereitete Flipcharts in den Sessionräumen. Diese synchrone Dokumentation während eines Barcamps stellt die wichtigste Grundlage für die Gesamt-Dokumentation dar. Je mehr Lücken hier bleiben, desto schwieriger wird es, im Nachhinein eine gute Dokumentation zu erhalten. Wenn aber ein guter Grundstock gelegt wurde, lässt sich auch im Nachhinein sehr viel dafür tun, dass die Dokumentation noch besser wird. Dabei hat das Barcamp-Orga-Team grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
- Man kann die synchron dokumentierten Inhalte anreichern. Dazu gehört zum Beispiel, die noch verbliebenen Lücken zu schließen, zu Ergänzungen einzuladen und oder für bessere Auffindbarkeit zu sorgen.
- Man kann die synchron dokumentierten Inhalte ergänzen. Dazu gehört zum Beispiel, weitere Inhalte der Teilgebenden einzusammeln und zur Verfügung zu stellen oder selbst zu einer vertiefenden Reflexion einzuladen
Im Folgenden erläutere ich am Beispiel von Online-Dokumentationen mit Etherpads, wie solch eine Anreicherung und Ergänzung in der Praxis aussehen kann. Wer andere Tools zur Dokumentation nutzt, kann diese Vorschläge entsprechend anpassen. Zusätzlich gehe ich am Ende auf eine Art Meta-Dokumentation ein – das Teilen der Learnings in der Organisation und Durchführung des Barcamps.
Dokumentation anreichern
Anreicherung von Dokumentation meint, an der bestehenden Dokumentation weiter zu arbeiten. Wie auch beim eigentlichen Barcamp ist das Orga-Team hier nicht primär in einer produzierenden Rolle, sondern stellt eher den Rahmen und gibt Impulse, so dass die Teilgebenden aktiv werden können.
Ergänzungen vornehmen: Bei den meisten Barcamps wird direkt nach Abschluss eine Mail zur Evaluation verschickt. In dieser Mail kann dann auch direkt der Appell aufgenommen werden, noch einmal durch den Sessionplan und die darin verlinkten Sessions zu schauen und etwaige Ergänzungen vorzunehmen. Dabei sollte auch explizit erwähnt werden, dass man dabei nicht nur auf die Sessions beschränkt ist, die man selbst besucht hat, sondern vielleicht auch zu anderen Sessions noch spannende Gedanken oder Links beisteuern kann.
Lücken schließen: Wenn die Dokumentation direkt im Sessionplan verlinkt wird, lässt sich hier der Stand der Dokumentation markieren. Also zum Beispiel grün für „schon sehr gut dokumentiert“, grau für „nur rudimentär dokumentiert“ und rot für „noch gar nicht dokumentiert“. Teilgebende, die Inhalte nachlesen wollen, sehen damit auf den ersten Blick, wo es sich lohnt, sich etwas anzuschauen. In Hinblick auf die Dokumentation kann solch eine Kennzeichnung sinnvoll sein, weil Teilgebende dann direkt sehen, wo es noch Lücken gibt – und entweder selbst aktiv werden können oder auch andere Teilgebende ansprechen können, von denen sie wissen, dass diese in der jeweiligen Session waren. Erfahrungsgemäß füllen sich Lücken auf diese Weise sehr gut.
Übersicht erstellen: Der Goldstandard der Dokumentation ist dann schließlich noch, den Sessionplan besser durchsuchbar zu machen und gegebenenfalls auch mit Schlagworten zu versehen. Gerade wenn Barcamps nicht nur einmalig sind, sondern zum Beispiel über einen längeren Zeitraum jährlich stattfinden, könnte das eine lohnenswerte Angelegenheit sein. Da der Aufwand dafür allerdings recht hoch ist, sind aus der Praxis aktuell keine Beispiele bekannt, wo das so gehandhabt wird. Einfacher ist die direkte Überführung eines einzelnen Sessionplans in ein durchsuchbares Dokument. Hierzu bietet sich die Information Wall von H5P an. Hier können die Sessions mit frei zu definierenden Feldern (z.B. sessiongebende Person, kurze Beschreibung, Link zur ausführlichen Dokumentation) eingetragen und auf diese Weise auch über den eigentlichen Kreis der Teilgebenden hinaus gut weiternutz- und auffindbar gemacht werden.
Dokumentation ergänzen
Eine Ergänzung der Dokumentation meint, zusätzliche Dokumentationen neben den offiziell in den Sessions bereitgestellten Wegen zu erschließen, zu sammeln und allen Teilgebenden sowie weiteren Interessierten zur Verfügung zu stellen. Auch hier gibt es vielfältige Möglichkeiten:
Hashtag nutzen: Eine sehr naheliegende Möglichkeit zu einer Ergänzung der Dokumentation ist die Einbeziehung von Social Media Veröffentlichungen. Hierzu wird bereits vor dem eigentlichen Barcamp ein Hashtag vorgeschlagen, der auf unterschiedlichen Plattformen und Netzwerken genutzt werden kann. Teilgebende können hier – parallel zur offiziellen Dokumentation – direkte Learnings und Erkenntnisse teilen. Zudem können hierüber auch Learnings aus so genannten Zwischenräumen, also zum Beispiel dem Gespräch an der Kaffeemaschine, eingebracht werden. Dieser Weg war in den Jahren um 2020 eine sehr gut funktionierende Möglichkeit, weil sich damals ein Großteil der Teilgebenden bei Bildungsbarcamps auf der damaligen Plattform Twitter aktiv war. Seit 2023 findet Vernetzung dagegen sehr unterschiedlich statt und insgesamt lässt sich eine geringere Nutzung von Social Media während Veranstaltungen feststellen. Es lohnt sich hier, immer die eigene Teilgebende-Gruppe im Blick zu haben und dann einzuschätzen, inwieweit dieser Weg zu Ergänzungen führt. Vom Orga-Team kann unterstützend darauf hingewirkt werden, indem erstens der verwendete Hashtag prominent kommuniziert wird. Zum anderen kann schon während der Veranstaltung eine Social Media Wall eingerichtet werden, auf der Beiträge mit dem entsprechenden Hashtag angezeigt werden. Wenn solch eine Social Media Wall während des Barcamps gut sichtbar platziert wird, werden Teilgebende möglicherweise zur Nutzung des Hashtags motiviert.
„Presseschau“ gestalten: Eine vertiefte individuelle Dokumentation eines Barcamps kann insbesondere auch so gestaltet sein, dass Teilgebende im Nachhinein über ihre Barcamp-Erfahrungen schreiben oder etwas aufzeichnen. Dazu kann zum Beispiel ein eigener Blog, die Seite der Organisation, in der man beschäftigt ist, oder andere Orte im Internet genutzt werden. In solch einer individuellen Dokumentation werden dann oft die jeweils besuchten Sessions noch einmal ausführlich dargestellt. Zusätzlich gibt es oft Darstellungen darüber, wie das jeweilige Lernen erlebt wurde. Als Ausrichter*innen eines Barcamps lassen sich solche individuellen Dokumentationen unterstützen, indem man zum Abschluss im Plenum oder auch in einer abschließenden Mail gezielt zu solch einer Reflexion einlädt. All diese individuellen Dokumentationen können dann gesammelt und als eine Art „Presseschau“ des Barcamps zusätzlich zur Dokumentation veröffentlicht werden.
O-Töne einsammeln: Eine weitere Möglichkeit zur Ergänzung der Dokumentation ist über den Weg von Audio und/ oder Video. Dieser kann bereits während des Barcamps oder auch nachträglich gewählt werden. Während des Barcamps lässt sich eine Podcasting-Station oder ein improvisiertes Video-Studio einrichten. Hier sind Teilgebende jederzeit eingeladen, ihre jeweiligen Learnings zu teilen. Aus all den Stimmen lässt sich dann ein Audio oder Video zusammen schneiden. Besonders gut gelingt so etwas, wenn man übergreifende Fragen formuliert, die zum jeweiligen Thema des Barcamps passen. Bei den OERcamps wurde zum Beispiel gefragt, was für die Teilgebenden eine Kultur des Teilens ausmacht. Der Zusammenschnitt ist dann ein Mosaik aus unterschiedlichen Stimmen. Der Reiz entsteht hier insbesondere dadurch, dass jede einzelne Stimme sicherlich niemals erschöpfend auf das Thema blicken kann. Durch den Zusammenschnitt entsteht aber ein vielfältiges Bild, das zugleich sehr gut zum offenen Grundansatz von Barcamps passt. Eine etwas weniger aufwendige Alternative ist eine Einladung zu einem nachträglichen Podcast. Hierfür lassen sich schon während des Barcamps oder auch im Anschluss gezielt Teilgebende ansprechen oder auch offen dazu aufrufen. Wer mitmachen will, erhält dann einen Link zu einer Videokonferenz, in der gemeinsam das jeweilige Barcamp aus den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten Revue passieren wird. Dieses Gespräch wird aufgezeichnet, muss dann kaum mehr bearbeitet werden und kann als Ergänzung zur Dokumentation als Audio oder Video veröffentlicht werden.
Eine Social Media Wall für das Fediverse – also eine Fediwall – lässt sich sehr niederschwellig über den Link Fediwall.social einrichten. Man klickt dazu das Zahnrad rechts oben in der Ecke an und gibt einen oder mehrere Hashtags oder auch Accounts an, die mit dem jeweiligen Barcamp in Verbindung stehen. Dann erhält man eine Zusammenstellung aller dazu passenden Beiträge, die im Fediverse (= hierzu gehört unter anderem Mastodon) geteilt wurden. Diese Fediwall kann dann (gerade bei Hashtags, die sich spezifisch auf ein bestimmtes Barcamp beziehen, z.B. mppb24 für das Medienpädagogik Praxis Barcamp im Jahr 2024) eine gute Ergänzung zur Dokumentation sein.
Learnings des Orga-Teams als Dokumentation
Im Frühjahr 2023 fand online das Ausbaldowercamp zum damals sehr neuen Thema der künstlichen Intelligenz in der Bildung statt. Eine Reflexion mit Learnings dazu aus Veranstalter*innen-Sicht findet sich im eBildungslabor.
Alle Artikel dieser Reihe
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 1: Grundlagen zur Barcamp-Dokumention
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 2: Methoden zur Dokumentation in Barcamp-Sessions
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 3: Tool-Auswahl zur Barcamp-Dokumention
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 4: Taskforce für gute Dokumentation bei Barcamps
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 5: Haptisches und erfahrungsbasiertes Lernen dokumentieren
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 6: KI-Hacks für gute Barcamp-Dokumentation
- Gute Dokumentation bei Barcamps – Teil 7: Dokumentation nach dem Barcamp
Lizenz
Urheberin dieses Materials: „Nele Hirsch mit der Agentur J&K – Jöran und Konsorten für das #OERcamp (2025) | https://selbstlernen.net“
Lizenz zu diesem Material: CC BY 4.0 | Finanzierung: gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBFSFJ)
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